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Wofür sein Leben geben? – Mises vs. Bürokratie – Mariana de Pineda y Muñoz – Digitale Dezentralisierung

Wofür soll der Liberale das eigene Leben geben, wenn er die gewonnene Freiheit nicht mehr erleben kann? Diese Frage kann er mit Überzeugung beantworten: So findet man in der Geschichte viele große Liberale, die für ihre Werte mit ihrem Leben eingestanden haben. Nicht für ein Kollektiv, für das die Einzelne sich aufgeben müsste, sondern für Bedingungen, unter denen individuelle Freiheit möglich ist.

 

ANSICHT

Photo: Martyrdom of the Seven Hebrew Brothers, Attavante degli Attavanti, Vatican Library (from Wikipedia - public domain)

Wofür würden Liberale alles opfern?

Die Verhandlungen über die Zukunft der Ukraine, die Anfang der Woche in Berlin stattfanden, rücken für mich eine Frage in den Blick, die uns im Westen Europas seit einigen Jahrzehnten meist erspart blieb: Wofür wäre man bereit, das eigene Leben zu geben? Manche Antworten finden sich leicht: für die eigenen Kinder, für die Familie. Gläubige Menschen für ihre Religion, Patrioten/Nationalisten/Amerikaner für ihr Vaterland.

Was ist aber mit kosmopolitischen Liberalen? Wofür sind Liberale bereit, ihr Leben zu geben? Diese Frage stellte mir vor einigen Wochen ein guter Freund, der bei der rechten und linken politischen Konkurrenz jeweils große Einheiten sah – die Klasse, das Volk, das Vaterland –, für die der Einzelne sein Leben geben kann. Doch für kosmopolitische Liberale gibt es ja nur das Individuum; wofür also das eigene Leben geben, wenn der Einzelne die Freiheit dann nicht mehr erleben kann?

Diese Frage trifft einen wunden Punkt, doch in der Geschichte konnten Liberale sie oft mit Überzeugung beantworten. So findet man viele große Liberale, die für ihre Werte mit ihrem Leben eingestanden haben. Nicht für ein Kollektiv, für das die Einzelne sich aufgeben müsste, sondern für Bedingungen, unter denen individuelle Freiheit möglich ist. Richard Cobden kämpfte gegen wirtschaftliche Abschottung und für den Freihandel, weil er verstand, dass Freiheit und Wohlstand für alle eben freien Handel und Frieden brauchen. William Wilberforce setzte sein politisches Leben dafür ein, die Sklaverei zu überwinden, weil Freiheit universell gilt oder gar nicht. Nicht, weil er in der Gefahr stand, versklavt zu werden, sondern weil er für die Freiheit als Wert lebte.

Robert Blum, Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung und eine der führenden Figuren des Liberalismus von 1848, wurde nach der Niederschlagung des Wiener Oktoberaufstands standrechtlich erschossen. Er starb nicht für einen abstrakten Nationalmythos, sondern für seine liberalen Überzeugungen. Arno Esch, Jahrgang 1928, liberaler Student und junger, liberaler Politiker in der sowjetischen Besatzungszone, widersetzte sich öffentlich dem entstehenden kommunistischen Staat. 1951 wurde er von einem sowjetischen Militärtribunal wegen angeblicher Spionage und „konterrevolutionärer Tätigkeit“ zum Tode verurteilt und hingerichtet. Er selbst sagte über seine Beweggründe: „Wir wissen, daß der Liberalismus ein Grundpfeiler der Zukunft sein kann, wenn wir es wollen, und daß er es sein wird, weil wir es wollen.“

Liberale geben ihr Leben also nicht für die eigene Freiheit, das wäre widersinnig. Sie geben es auch nicht für ein wenig mehr Wirtschaftswachstum oder ein bisschen mehr staatliche Effizienz. Nein, sie würden ihr Leben dafür geben, dass Freiheit für alle ermöglicht und erhalten bleibt; weil Freiheit ihnen ein Wert ist, für die ganze Welt.

AUSBLICK

Photo: Liberales Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. From Nomos

Mises vs. Bürokratie

Bürokratieabbau finden alle super, wollen alle machen – nur so richtig erfolgreich ist dabei niemand. Mises’ Klassiker hilft dabei, sich vor Augen zu führen, warum im Zeitalter der staatlichen Wirtschaftskontrolle kein Bürokratieabbau gelingen kann.

Bürokratie entsteht für Mises nicht aus schlechter Organisation oder mangelndem guten Willen, sondern aus dem Ersatz marktwirtschaftlicher Steuerung durch staatliche Kontrolle. Wo Gewinn und Verlust als Prüfsteine des eigenen Handelns fehlen, müssen Abläufe durch unabänderliche Regeln, rigide Verfahren und unhinterfragbare Hierarchien organisiert werden. Diese sind die logische Folge der Abwesenheit unternehmerischer Verantwortung.

Bürokratieabbau innerhalb eines Systems staatlicher Wirtschaftslenkung bleibt daher ein unauflösbarer Widerspruch. Der Staat kann Verfahren vereinfachen, Fristen verkürzen, Formulare digitalisieren. Er kann aber nicht auf Bürokratie verzichten, solange er Mindestlöhne festlegen, Konsumentenentscheidungen beeinflussen und Risiken kollektiv absichern will. Mises’ Diagnose ist deshalb: Wer weniger Bürokratie will, muss staatliche Kontrolle verringern. Alles andere bleibt Gerede.

WELTBEWEGER

Photo: Wikipedia (Public Domain)

Mariana de Pineda y Muñoz

Mariana de Pineda y Muñoz (1804 – 1831) war eine spanische liberale Märtyrerin – als solcher gedenken ihr die Menschen in Granada jedes Jahr am 26. Mai, dem Tag ihrer Exekution. Sie stellte sich gegen den Absolutismus von Ferdinand VII und trat für die Prinzipien der Verfassung von 1812 ein.

Mariana Pineda half verfolgten Liberalen, bot ihnen Unterschlupf und organisierte Fluchten. So half sie ihrem Cousin Fernando Álvarez de Sotomayor bei der Flucht aus dem Gefängnis 1828, indem sie ihm Mönchsgewänder zuschmuggelte. Ihre Wohnung diente als Drehscheibe für Exilierte aus Gibraltar und sie unterstützte die Untergrundbewegung gegen die Restauration des Absolutismus 1823.​

1831 fand die Polizei in ihrem Haus eine Fahne mit dem Motto „Igualdad, Libertad y Ley“ (Gleichheit, Freiheit und Gesetz), was zu ihrer Verurteilung führte. Mariana Pineda weigerte sich, Mitverschwörer zu nennen, und wurde am 26. Mai 1831 mit 26 Jahren hingerichtet.

MITSTREITER

Photo: Herder

Digitale Dezentralisierung

Anselm Küsters, ein langjähriger Freund des Hauses, hat ein neues Buch geschrieben, das im Februar 2026 erscheint: “Small is beautiful 2.0: Mit digitaler Dezentralisierung zu einer menschlicheren Wirtschaft”.

Es entwickelt eine positive Vision für Europas digitale Zukunft und zeigt, wie Plattformen, Open Source, Blockchain und kleine KI-Modelle genutzt werden können, um lokale Ökonomien, Gemeinschaften und mittelständische Unternehmen zu stärken – statt immer größere, zentralisierte Strukturen zu fördern.

Reinschauen lohnt sich – das weiß ich – ganz sicher! Wer genauso überzeugt ist wie ich, kann es sogar schon bei Herder oder Amazon vorbestellen.