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Wirtschaftspolitik – F. D. Roosevelt – Gottfried von Haberler – Athene-Akademie

In Deutschland haben wir einen Dauerzustand der Stagnation. Wie sind wir in diesen Schlamassel geraten? Eine Gruppe, die dabei ins Auge fällt, sind die Ökonomen. Zwar mag es stimmen, dass alle Ökonomen den Reformstau anprangern und Alternativvorschläge machen.  Aber schnell wird dabei übersehen, wie eng die durchschnittliche Ökonomin mit Vater Staat verbandelt ist. Die Idee, Ökonomen sollten dem Staat bei seiner Wirtschaftspolitik mit Rat und Tat zur Seite stehen, setzt ja bereits voraus, dass es überhaupt Wirtschaftspolitik geben soll. Und genau darin liegt das Problem.

ANSICHT

Photo: Carl Graph, from flickr (CC BY-ND 2.0)

Planwirtschaft durch die Hintertür

Die Idee hinter Reformen ist die entschiedene, aber eben nicht umwälzende Veränderung der vorherrschenden Institutionen. Der Ruf nach Reformen wird dann laut, wenn das System in seiner derzeitigen Ausgestaltung als ungeeignet wahrgenommen wird, oft also dann, wenn Krisen diagnostiziert werden.

In Deutschland haben wir seit zig Jahren ein gefühltes Nullwachstum, wenn man einmal den sogenannten Staat außer Acht lässt. Zynisch gesprochen könnte man anmerken, dass das nicht länger eine Krise ist, die ja eigentlich einen gewissen Bezug auf einen bestimmten Entscheidungszeitpunkt hat. Anders gesagt: Einen Dauerzustand eine Krise zu nennen, mutet komisch an.  In Deutschland haben wir einen Dauerzustand der Stagnation.

Wer sich diese trostlose Situation anschaut, sollte radikaler fragen: Wie sind wir denn in diesen Schlamassel geraten? Eine Gruppe, die dabei ins Auge fällt, sind die Ökonomen. Zwar mag es stimmen, dass alle Ökonomen den Reformstau anprangern und Alternativvorschläge machen.  Aber schnell wird dabei übersehen, wie eng die durchschnittliche Ökonomin mit Vater Staat verbandelt ist.

Weshalb gibt es überhaupt Wirtschaftsweise? Wirtschaftlicher Sachverstand bei Wirtschaftspolitik: schön und gut. Aber sollte der Ökonom, der seine eigene Public-Choice- oder Grundlagen-Vorlesung ernst nimmt, nicht überhaupt der Wirtschaftspolitik ablehnend gegenüberstehen? Die Idee, Ökonomen sollten dem Staat bei seiner Wirtschaftspolitik mit Rat und Tat zur Seite stehen, setzt ja bereits voraus, dass es überhaupt Wirtschaftspolitik geben soll. Und genau darin liegt das Problem.  Denn damit wird nicht bloß diese oder jene Maßnahme beraten, sondern die Vorstellung normalisiert, wirtschaftliche Prozesse seien überhaupt sinnvoll politisch zu steuern.

Die Leute an den Schalthebeln besitzen, wie wir wieder und wieder zu unser aller Leidwesen erfahren, weder das Wissen, gute Wirtschaftspolitik zu betreiben, noch sind sie vor den Verlockungen gefeit, den eigenen Interessen nachzuhelfen. Gerade deswegen schrieb ja einer der großen deutschen Liberalen von der Gefahr, die in der bloßen „Expansion der Staatstätigkeiten“ besteht.  Ein Staat, der nicht länger Nachtwächter ist, sondern hier und dort mitmischt, wird zum „Werkzeug“ verschiedener Gruppen — seien es die klassischen Lobbyverbände, die Politiker oder gar die Ökonomen selbst.

Wer also Raum für so etwas wie Wirtschaftspolitik sieht und verteidigt, sollte sich wenigstens ehrlich machen: Er kritisiert dann nicht bloß ihre Auswüchse, sondern trägt dazu bei, ihre Grundlage zu legitimieren.  Und er ist mitverantwortlich dafür, wenn sie in abstruser Art und Weise gestaltet wird.  Was wir brauchen, ist weniger Kompromisse und mehr Radikalität.

AUSBLICK

Photo: Amazon

Buch- und Podcastempfehlungen: David T. Beitos

Die Parallelen zwischen Donald Trump und Franklin D. Roosevelt sind vielleicht nicht auf den ersten Blick augenscheinlich, aber sie sind doch bemerkenswert.  Während FDR US-Amerikaner in Lager stecken ließ, den „Blue Eagle“ als patriotisches Symbol seiner Wirtschaft propagierte und sich etwa im sogenannten „court packing“ versuchte, macht Trumps „ICE“ mit traurigen Schlagzeilen auf sich aufmerksam, setzt der derzeitige Präsident die Zentralbank unter Druck und scheint, wie auch andere in seiner Administration, durchweg den eigenen finanziellen Vorteil zu suchen.  In beiden Fällen geht es nicht notwendigerweise um identische Programme, sondern um etwas Grundsätzlicheres: um die Expansion exekutiver Macht, die patriotische oder moralische Aufladung von Politik und die Missachtung institutioneller Grenzen.

Der Blick in die Vergangenheit, auf FDR, ist lehrreich – und heilsam, kontextualisiert er doch die heutigen Exzesse und zeigt, dass ein Abgesang auf eine Zivilisation oft zu früh kommt.  Das mag angesichts der Ungerechtigkeiten der jeweiligen Zeit nur ein kleines Trostpflaster sein, aber die Perspektive, dass schon einiges überstanden wurde und es wieder besser werden kann, ist doch hilfreich. Mehr über Roosevelt erfährt man in David T. Beitos kürzlich erschienenen Büchern The New Deal’s War on the Bill of Rights: The Untold Story of FDR’s Concentration Camps, Censorship, and Mass Surveillance sowie FDR: A New Political Life, welches er u.a. auch beim Hayek-Program-Podcast im Gespräch mit Peter Boettke vorstellt.

WELTBEWEGER

Photo: Biografías y Vidas

Gottfried von Haberler

Gottfried von Haberler (1900-1995) ist einer jener zahlreichen einflussreichen Denker, die das Wien der 1920er Jahre hervorgebracht hat. Sein vielleicht wichtigster Beitrag zur Wirtschaftswissenschaft war die Neuformulierung der Lehre des komparativen Kostenvorteils. Während Ricardo diese noch im objektiven, arbeitswerttheoretischen Gewand dargelegt hatte, zeigte Haberler, dass sich das Argument auch in der modernen Lehre der Opportunitätskosten fassen lässt. Über seine theoretische Arbeit hinaus war Haberler zudem ein entschiedener Verteidiger des Freihandels – und damit jemand, von dem wir heute mehr gebrauchen könnten.

HEIMAT DER FREIHEIT

Athene-Akademie

Ende des vergangenen Monats tagte unsere erste Athene-Akademie.  Die Idee dahinter ist einfach: eine Heimat der Freiheit für Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen zu schaffen.  Der Auftakt dazu fand im beschaulichen Gimborn statt, wo sich 15 junge Forscherinnen und Forscher versammelten, unterstützt von den Professoren Julian F. Müller, Diana W. Thomas und Steffen J. Roth.  Damit ist ein erstes Format entstanden, an das wir in Zukunft anknüpfen wollen.

„Athene hat mir gezeigt, dass es im akademischen Umfeld mehr junge, engagierte, liberale Nachwuchs-Akademiker gibt, als der Zeitgeist vermuten lässt. Das macht mir Mut und motiviert mich auch, einige Projekte außerhalb des klassischen akademischen Pfads weiterzuverfolgen“, berichtete ein Teilnehmer im Anschluss an die Akademie.