Warmer Kollektivismus – Liberaler Sozialismus – Malcolm McLean – Open Summit 2026
- by Josef
Die Verteidigung des Kollektivismus durch den New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani manifestiert einen ideologischen Wandel: Die den Kern des Liberalismus bildende Priorisierung jeder Einzelnen ist auf dem Rückmarsch. Dass ein führender westlicher Politiker sich so äußert, ist unheilvoll.
ANSICHT
Die warme Zwangsumarmung
Der jüngst gewählte New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani erklärte in seiner Antrittsrede, er wolle die „frigidity of rugged individualism“ durch „the warmth of collectivism“ ersetzen. Die offene Verteidigung des Kollektivismus durch einen führenden westlichen Politiker ist unheilvoll.
Was den „warmen Kollektivismus“ abhebt vom „kalten Individualismus“, ist – jenseits der Rhetorik – nur eine Sache: Im Individualismus ist jede Einzelne die Herrin ihres Schicksals, während im Kollektivismus eine Einzelne die Herrin über alle anderen ist. Denn Kollektive können nicht handeln: sie können ergo nicht entscheiden. Das können nur Individuen, eben jemand wie Mamdani.
Kollektivismus mündet folglich notwendigerweise in die Emporhebung eines Individuums über alle anderen. Diese Emporhebung geschieht dann zwar im Namen des Kollektivs, aber eben auch nur im Namen des Kollektivs. Es ist nicht so, dass das Kollektiv etwas will und glaubt und danach handelt. Nein, vielmehr bestimmt ein Einzelner das Ziel des Kollektivs und wie dieses erreicht werden soll. Egal, ob dieses Kollektiv die Volksgemeinschaft, das Proletariat oder, in Mamdanis Fall, die Stadt New York ist.
Dass das weder legitim noch im Sinne der Bürgerinnen und Bürger ist, zeigt sich dort, wo „Wärme“ nicht die freiwillige Entscheidung aller, sondern Regierungsprogramm wird. Es ist ja gerade keine freiwillige Assoziation von Menschen, die sich zusammenschließen, um Solidarität zu leben. Vielmehr ist es ein Einzelner, der sich nun aufschwingt, anderen Menschen seine „Wärme“ zu schenken – egal, ob sie das wollen oder nicht. Die Wahl durch eine Mehrheit ändert an diesem Zusammenhang nichts. Nur allseitige Zustimmung würde das; aber dann bräuchte Mamdani ja nicht länger aufs Herrschen zurückgreifen.
Nun mögen die in den USA immer noch starken konstitutionellen und ideologischen Schranken Mamdani daran hindern, seine kollektivistischen Fantasien voll auszuleben. Das Problem ist daher womöglich weniger das zumindest dem politischen Kollektivismus notwendig innewohnende Autoritäre. Aber Mamdanis Verteidigung des Kollektivismus manifestiert einen ideologischen Wandel: Die den Kern des Liberalismus bildende Priorisierung jeder Einzelnen ist auf dem Rückmarsch. Sie weicht einer Welt, in der das, was ein einzelner Mensch für richtig oder gut hält, diesem Menschen praktische Berechtigung geben soll, es anderen aufzuzwingen. Ob das dann in den Mantel des „warmen Kollektivismus“ gehüllt wird oder nicht einmal das, ist da sekundär.
Für uns Liberale jedenfalls ist Mamdani ein Warnsignal. Gerade deshalb sollten wir, mit Vergil, für eine liberale Welt eintreten: „Tu ne cede malis, sed contra audentior ito“ – weiche dem Übel nicht, geh mutiger ihm entgegen!
AUSBLICK
Kann Sozialismus liberal sein?
Ist liberaler Sozialismus ein Widerspruch? Für viele Liberale mag allein die Frage suspekt wirken, ist doch für sie einschlägig, dass der Sozialist kein Liberaler ist. Der US-amerikanische Forscher Matthew McManus hat jüngst jedoch argumentiert – sowohl in seinem Buch The Political Theory of Liberal Socialism als auch in einem interessanten Podcast mit dem anarchistischen Center for a Stateless Society –, dass liberaler Sozialismus eine ernstzunehmende politische Philosophie ist.
Nicht nur, dass es einige Denker und Denkerinnen gab (etwa der späte John Rawls, Norberto Bobbio oder John Stuart Mill), die sich als liberale Sozialisten auffassten oder zumindest dem liberalen Sozialismus nahestanden. Auch ist die Verbindung dieser beiden Dinge möglich: den Liberalismus könne man vom Sozialismus trennen, und der Sozialismus sei vereinbar mit den Errungenschaften der liberalen Demokratie.
Während McManus ein auffallend belesener Mann ist, manifestieren sich hier jedoch philosophische Schwächen: Die Ungenauigkeit in der Analyse – dem philosophischen Kernwerkzeug – erschwert das Urteil über den liberalen Sozialismus. Nichtsdestotrotz ist die Auseinandersetzung mit dieser politischen Philosophie gewinnbringend.
McManus‘ Buch heißt The Political Theory of Liberal Socialism und ist 2025 bei Routledge erschienen. Den Podcast Mutual Exchange Radio des Centers for a Stateless Society findet man etwa auf Spotify.
WELTBEWEGER
Malcolm McLean
Viele der Weihnachtsgeschenke, die unterm Christbaum lagen, wurden von Menschen aus ganz anderen Teilen der Welt hergestellt. Wir leben in einer globalisierten Welt: Indem wir mit anderen kooperieren, können wir die Dinge, die wir gerne haben wollen, viel einfacher und preisgünstiger bekommen.
Ein Mann, der zu dieser umfassenden Arbeitsteilung und Kooperation erheblich beigetragen hat, ist Malcolm McLean. Denn der in den USA geborene Spediteur ist der Pionier des modernen Containertransport. Diese Innovation prägte die weltweite Logistik entscheidend, weil sie den Umschlag von Waren deutlich schneller und günstiger machte.
Wie viel Wohlstand genau McLean damit geschaffen hat, lässt sich kaum beziffern. Klar ist aber: sein Erfindertum und sein unternehmerischer Mut haben das Leben ungezählter Menschen verbessert, weil sie weltweite Kooperation günstig und zuverlässig gemacht haben!