Wettbewerbshüter – Rentenmark – Heinz Nixdorf – “Generation Debts”
- by Clemens
Mit Marktmacht ist es so eine Sache. Sie durch den Staat zu begrenzen, ist selbst unter vielen Liberalen ein anzustrebendes Ziel. Deshalb gibt es Kartell- und Wettbewerbsaufsichtsbehörden. Friedrich August von Hayek, aber noch mehr Ludwig von Mises sahen in Kartellbehörden staatliche Planungsbehörden, die im Nebel stochern. Nach Hayek ist Wettbewerb kein statisches Ziel, sondern ein Entdeckungsverfahren.
ANSICHT
Wettbewerb ist das beste Entmachtungsinstrument
Mit Marktmacht ist es so eine Sache. Sie durch den Staat zu begrenzen, ist selbst unter vielen Liberalen ein anzustrebendes Ziel. Deshalb gibt es Kartell- und Wettbewerbsaufsichtsbehörden. Friedrich August von Hayek, aber noch mehr Ludwig von Mises sahen in Kartellbehörden staatliche Planungsbehörden, die im Nebel stochern. Nach Hayek ist Wettbewerb kein statisches Ziel, sondern ein Entdeckungsverfahren. Für ihn ist eine Wirtschaftsordnung ein evolutorischer Prozess von Versuch und Irrtum. Daher kann keine Behörde durch Eingriffe, wie es Kartellbehörden beispielsweise in Deutschland oder der EU tun, einen idealen Zustand herstellen. Mises vertrat die Auffassung, dass jeder Markteingriff Kollateralschäden verursacht, die schlimmer sind als der ursprüngliche Zustand. Daher verbietet sich jeder Eingriff, weil er weitere Eingriffe nach sich zieht. Mises prägte dafür den Begriff der „Interventionsspirale“.
Das Kartell- und Wettbewerbsverfahren der EU gegen Google ist so ein Beispiel. Google soll eigene Dienst gegenüber Fremdanbietern bevorzugt haben. Darauf verhängte die EU-Kommission eine Strafe von fast drei Milliarden Euro. Google klagt dagegen. In der Wettbewerbsbehörde der EU arbeiten inzwischen 900 Beschäftigte, die Marktmissbrauch aufspüren und verfolgen. Selbst wenn der Vorwurf stimmt, was wäre so schlimm daran? Google hat Suchmaschinen nicht erfunden, aber zum Durchbruch verholfen. Natürlich hat Google eine marktbeherrschende Stellung bei Suchmaschinen und generiert darüber viele Werbeeinnahmen. Ob ein Missbrauch stattfindet, ist wahrscheinlich eine Auslegungsfrage.
Wer oben bei einer Google-Anfrage steht, wird schneller angeklickt, erzielt dadurch mehr Umsätze und Gewinne. Nicht umsonst ist der Mutterkonzern Alphabet, der Google betreibt, mit einer Marktkapitalisierung von über zwei Billionen US-Dollar eines der teuersten Unternehmen der Welt. Aber, wo ist der Schaden? Wäre die Welt besser, wenn es Google nicht gäbe oder wenn es zerschlagen würde? Im Gegenteil. Der Nutzen für die Menschheit ist gigantisch. Google hat das Leben einfacher, preiswerter und besser gemacht. Was ist die Alternative? Zurück zur Brockhaus Enzyklopädie? Hunderte von Mitarbeiter beschäftigen sich inzwischen auf beiden Seiten, die Intervention des Staates zu bewältigen. Scharen von Juristen streiten über Instanzen, wer am Ende recht hat. Die Verfahren ziehen sich über viele, viele Jahre. Am Ende wird ein Urteil gefällt. Der Markt hat sich dann aber bereits weiterentwickelt. Die Künstliche Intelligenz (KI) stellt das klassische Geschäftsmodell von Google längst infrage. Zwar arbeitet auch Google mit KI, aber neue Marktteilnehmer, die vielleicht schneller und besser sind, drängen mit Wucht in den Markt. Ob es Google in dieser Form in fünf Jahren noch gibt, ist ungewiss. So lange dauert aber mit Sicherheit die rechtliche Auseinandersetzung mit der EU.
Ein anderes Beispiel sind die vielen Hidden Champions aus dem Mittelstand in Deutschland. Es soll rund 1.600 davon geben. Viele davon sind in einer Nische unterwegs, wo sie oft alleine sind oder nur einen weiteren Wettbewerber haben, also ein Monopol oder zumindest ein Duopol existiert. Schadet das jemand? Ich glaube nicht.
Generell ist das Wettbewerbsrecht in Deutschland sehr altbacken und in der Zeit Euckens und Rüstows stecken geblieben. Ein anderes Beispiel, wie das Wettbewerbsrecht Unternehmertum verhindert: vertikale Preisbindungen sind nach deutschen und europäischen Wettbewerbsrecht verboten. Wenn eine kleine Brauerei aus Bayern ihr Bier in Berlin verkaufen und hochpreisig anbieten will, dann darf sie dies mit ihrem Händler in Berlin nicht vertraglich vereinbaren. Warum eigentlich nicht? Wem schadet das? Vielleicht ist dieser Weg, die einzige Chance für die Brauerei, die Zusatzkosten, die die Lieferung nach Berlin mit sich bringt, ausreichend zu refinanzieren. Das Wettbewerbsrecht verhindert hier den Wettbewerb. Unternehmen können mit ihren Ideen nicht so einfach in den Markt eindringen, weil ein fiktiver Dritter eventuell einen Schaden hat. Der Verbraucher kann es nicht sein, denn der Biermarkt ist so vielfältig, da ist die Konkurrenz wahrscheinlich nicht die andere Brauerei, sondern Wein und Cola. Beim Biermarkt kann man sehen, welche absurden Züge das Wettbewerbsrecht hat. Insofern bin ich eher bei Hayek und Mises statt bei Eucken und Rüstow. Ich war nie ein Freund des Bundeskartellamtes oder der EU-Wettbewerbsbehörden. Sie richten mehr Schaden an, also sie an Nutzen versprechen. Viel wichtiger ist, den uneingeschränkten Marktzugang durch den Abbau von Markteintrittsbarrieren zu gewährleisten. Sie verhindern Wettbewerb. Sie abzubauen, wäre die Basis für künftigen Wohlstand und Aufgabe einer Regierung.
AUSBLICK
Michael von Prollius: „Was 1923 uns heute lehrt“
Was uns die Hyperinflation von 1923 heute noch lehrt, hat Michael von Prollius in einem lesenswerten Beitrag im Blog „Wirtschaftliche Freiheit“ aufgeschrieben. Seine These ist, dass die Zerstörung der Papiermark und die damit einhergehende Fehler in dieser Dimension nur durch Zentralisierung möglich waren. Ein dezentrales Geldsystem hätte keinen einzelnen Akteur befähigt, eine ganze Volkswirtschaft zu ruinieren. Auch die Rentenmark, deren Einführung sich morgen am 15. November (1923) jährt, die durch Geldverknappung die Grundlage für die goldenen Zwanziger Jahre legte, wurde 1939 durch Hitler wieder hinweggefegt. Zentralisierung der Geldpolitik schafft Missbrauchspotential. Daher sind dezentrale Lösungen gegen Machtmissbrauch resilienter. Die Hyperinflation lehrt nicht nur: „Hütet euch vor der Notenpresse“. Sie lehrt auch: „Hütet euch vor der Anmaßung, komplexe Ordnungen steuern zu können.“ In der Gegenwart treffen wir beim digitalen Euro oder bei der Energiepolitik wieder auf diese komplexen Ordnungen und erneut will der Staat sie zentral planen und steuern. Das kann nicht gut gehen.
WELTBEWEGER
Heinz Nixdorf
Wenn heute von visionären Technikunternehmern die Rede ist, fällt zuerst der Name Elon Musk: der Pionier des Elektroautos und der Raketenbauer. Musk verkörpert die globalisierte Start-up-Kultur des 21. Jahrhunderts – waghalsig, laut, visionär und grenzenlos. Doch Jahrzehnte vor ihm gab es in Deutschland einen Unternehmer, der ähnliche technische Träume mit einer völlig anderen Haltung verband: Heinz Nixdorf (1925-1986). Er war der Elon Musk aus Ostwestfalen, nur ohne Pathos, Spekulation und Selbstdarstellung – eben ein Ostwestfale. Nixdorf war ein Pionier des Digitalen, der den Computer demokratisierte, statt ihn zu mystifizieren.
Während andere auf Großrechner und Zentralisierung setzten, dachte Nixdorf in dezentralen Strukturen. „Computer an jeden Arbeitsplatz“ lautete seine Devise – eine Vision, die heute selbstverständlich wirkt, damals aber revolutionär war. Die Nixdorf Computer AG in Paderborn war Mitte der 1980er Jahre das größte IT-Unternehmen Europas mit weltweit 20.000 Mitarbeitern. Nixdorf verkörperte den mittelständischen Unternehmer: ein Gestalter mit Verantwortung. Er glaubte an die Ordnung des Wettbewerbs, an Bildung als Schlüssel zu sozialem Aufstieg und an Unternehmertum als Dienst an der Gesellschaft. In seinem Haus herrschten flache Hierarchien, Vertrauen und Förderung. Er gründete eigene Bildungszentren, um Fachkräfte auszubilden, lange bevor „lebenslanges Lernen“ politisches Schlagwort wurde. Sein Führungsprinzip war schlicht: Leistung zählt, Herkunft nicht. 1986 verstarb er sechzigjährig plötzlich an einem Herzinfarkt während der CeBIT in Hannover. Heute stellen wir fest: Es mangelt an Nixdorfs in unserem Land.
Heimat der Freiheit
Nächstes Buch in der Edition Prometheus
Es ist noch etwas hin, aber bei Amazon kann man es schon vorbestellen. Das neue Buch in der Edition Prometheus und aus der Hand des Verfassers dieser Zeilen. Es heißt „Generation Debts“ und erscheint mit einem Vorwort von Daniel Stelter am 16. März 2026.
Die Generation Debts ist die Generation, die alles bezahlen muss. Es bauen sich in einer alternden Gesellschaft verdeckte Schulden in Billionenhöhe im Hintergrund auf. Die Boomer-Generation, die jetzt in Rente geht, hat diese Lasten aufgetürmt und will jetzt versorgt werden. Die Regierung und der Deutsche Bundestag schauen tatenlos zu. Mehr noch, durch die faktische Abschaffung der Schuldenbremse wird noch mehr auf Pump finanziert und der Generation Debts aufgebürdet. Die Boomer leben nach dem Motto: nach uns die Sintflut. Wie kann die Generation Debts, die Schuldengeneration von heute, diesem Armageddon-Moment entfliehen? Was kann jeder Einzelne tun, welche Weichen muss die Gesellschaft stellen, und welche Rolle kann Bitcoin dabei spielen, um Freiheit und Wohlstand zu erhalten?