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Wettbewerb der Währungen – Libertäre Lebensreise – Ilya Somin – Generation Debts

Die ungebremste weltweite Verschuldungspolitik zeigt die Notwendigkeit von gutem Geld. Notenbanken sind Inflationsbehörden – mal mehr, mal weniger. Dagegen sagt F.A. von Hayek: Währungen sollten dem Wettbewerb, auch dem privaten, ausgesetzt werden. Neben staatlichen Währungen sollten auch private Emittenten Währungen ausgeben dürfen. Wenn sich mehrere Währungen frei im Markt bewegen, werden die Menschen gutes Geld gegenüber schlechtem Geld präferieren – mit der Folge, dass sich das schlechte Geld auch zu gutem Geld entwickelt, da es sonst vom Markt verschwindet.

ANSICHT

Photo: Flickr (public domain)

Hayeks ehrliches Geld

Es sind oft Schlüsselmomente, die einen persönlich prägen. Die Finanzkrise 2007/2008 war so ein Moment für mich. Bis dahin hatte ich die Risiken des Fiat-Geldsystems unterschätzt. Nicht nur ich: Insgesamt glaubte man, dass Kredite, ihre Verpackung in strukturierte Wertpapiere und ihre weltweite Verteilung Risiken senken. Das war bekanntlich falsch, weil es notwendige Korrekturen verschleierte und damit hinausschob.

In dieser Zeit spielten gerade die Ratingagenturen eine unrühmliche Rolle. Sie verteilten Bestbewertungen und täuschten damit eine Sicherheit vor, die nicht vorhanden war – bis der große Crash kam. Seitdem beschäftige ich mich mit der Österreichischen Schule der Ökonomie, deren einflussreichster Vertreter Friedrich August von Hayek ist. Vor 50 Jahren erschien sein Buch „Entnationalisierung des Geldes“. Hayek war damals schon ein angesehener Ökonom, der zwei Jahre zuvor, also 1974, den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten hatte. Sein Buch war eine reine Provokation gegen das Establishment. Währungen sollten dem Wettbewerb, auch dem privaten, ausgesetzt werden. Neben staatlichen Währungen sollten also auch private Emittenten Währungen ausgeben dürfen. 1975 machte Hayek bei einer Vorlesung in London erstmalig diesen Vorschlag, um durch eine freie Währungswahl die damalige Inflation zu stoppen.

Er vertrat dabei die These, dass sich Geld historisch zunächst als nützliche Ware und dann als Tauschmittel frei und spontan aus dem Markt selbst entwickelt habe. Diese These wurde bereits von frühen katholischen Gelehrten wie dem Rektor der Universität von Paris, Jean Buridan (1300–1358), vertreten. Sie war also nicht neu, sondern lediglich in Vergessenheit geraten. Geld sei ein Gut wie jedes andere und nicht aufgrund eines Regierungserlasses entstanden, sondern aus einem freiwilligen Tauschprozess, „weil die Menschen entdeckten, dass dieser durch die Einführung einer nützlichen und allseits begehrten Ware als Zahlungsmittel dramatisch vereinfacht werden konnte.“ Ohne Diskriminierung von staatlicher Seite werde sich gutes Geld (privates Geld) im freien Wettbewerb immer gegen schlechtes Geld (staatliches Geld) durchsetzen. Denn niemand wolle freiwillig schlechtes Geld akzeptieren. Er widersprach damit der gängigen Auffassung, dass knappes Geld vom inflationierten Geld im Wettbewerb verdrängt werde.

Das sogenannte Gresham’sche Gesetz, das nach Sir Thomas Gresham benannt ist, der Berater der englischen Königin Elisabeth I. war, gelte, so Friedrich August von Hayek, „nur bei unterschiedlichen Geldarten, zwischen denen durch Gesetz ein festes Austauschverhältnis festgelegt ist“. Wenn jedoch diskriminierungsfrei mehrere Währungen frei sich im Markt bewegten, werde jeder Käufer gutes Geld gegenüber schlechtem Geld präferieren. Die Folge sei dann, dass sich das schlechte Geld auch zu gutem Geld entwickle, da es sonst vom Markt verschwinde.

Die ungebremste weltweite Verschuldungspolitik zeigt die Notwendigkeit von gutem Geld. Notenbanken sind Inflationsbehörden – mal mehr, mal weniger. Seit der Lehman-Pleite 2008 stieg die globale Verschuldung von Staaten, Unternehmen und privaten Haushalten im Verhältnis zur globalen Wirtschaftsleistung (BIP) von 195 % auf 325 % (2025). Letzteres entspricht einer Verschuldung von 324 Billionen US-Dollar. Das wird nicht ohne Folgen bleiben. Daher ist die 50 Jahre alte Idee Hayeks aktueller denn je.

AUSBLICK

Artikelempfehlung: „splittær - Das Ende von Etwas"

Das Magazin aevum – liberal quarterly ist die klare, unverfälschte, aber auch kontroverse publizistische Variante des Liberalismus. Gerade hat dort unsere ehemalige Praktikantin Nur Baysal, die nach ihrem Studium jetzt Unternehmerin in Zypern ist, ihren Weg als junge Frau in die Ideenwelt von Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek beschrieben – eine sehr schöne und lesenswerte Zeitreise.

WELTBEWEGER

Photo: John Boal Photography, from Online Library of Liberty - Liberty Fund

Ilya Somin

Was ist nicht alles über die USA geschrieben worden. „Autoritäre Tendenzen“ und „große Verfassungskrise“ waren dabei eher zurückhaltende Formulierungen. Doch das System von „checks and balances“ funktioniert in den USA nach wie vor. Aktuelles Beispiel ist die erfolgreiche Klage vor dem Obersten Gericht (Supreme Court) gegen die Zollwillkür Trumps.

Wie die FAZ jüngst berichtete, war diese eine Initiative des Liberty Justice Center, eines libertären Think Tanks aus Texas. Kläger, die juristisch gegen Freiheitsbeschränkungen kämpfen, werden von ihm mit Rat und Geld unterstützt. Initiator war Ilya Somin, ein libertärer Rechtsprofessor an der George Mason University, der einen Aufruf für die Klage startete und mit einem Weinhändler vor den Supreme Court zog – und gewann. Seit der Klage gegen den New Deal von Franklin D. Roosevelt vor 90 Jahren soll es vergleichbares nicht mehr gegeben haben.

Wenn man die Medienberichterstattung in Deutschland liest, hat man den Eindruck, dass die freiheitliche Bewegung in den USA sich längst mit der MAGA-Bewegung von Donald Trump ins Bett gelegt hat. Doch das ist zu kurz gegriffen. Somin ist ein gutes Beispiel dafür. 2017 machte er mich auf sein Buch „Democracy and Political Ignorance: Why Smaller Government Is Smarter“ aufmerksam und wollte es über uns auf Deutsch publizieren. Leider ist daraus nichts geworden. Sein jetziger Erfolg zeigt aber zwei Dinge: Erstens braucht es Mut und die richtigen Ideen, um der Freiheit zum Erfolg zu verhelfen. Und zweitens braucht es den organisatorischen Background, inklusive deren Finanzierung, um die richtigen Ideen umzusetzen – auch in Deutschland.

Heimat der Freiheit

Photo: cms.kosmos.de

„Generation Debts" in der Edition Prometheus

Ich weiß: In eigener Sache zu werben, ist immer etwas schwierig. Aber da das hier unsere in-house-Rubrik „Heimat der Freiheit“ ist, erlaube ich mir, auf den 16. März hinzuweisen. Dann erscheint mein neues Buch „Generation Debts – Die Generation, die alles bezahlen muss“. Es ist eine Abrechnung mit der direkten und indirekten Schuldenpolitik der Boomer-Generation (der ich vermeintlich selbst angehöre). Es geht um Generationenverrat, die Rente als Schneeballsystem und immer noch mehr Schulden für die Generation Debts. Aber auch um Lösungen: Weniger Staat, mehr Aktien und Bitcoin. Wer schon einmal einen ersten Vorgeschmack erhalten will, dem empfehle ich die Homepage. Natürlich kann man es dort auch bestellen…