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Weltuntergang – Verantwortungsvoller Klimaschutz – Leo XIV für die Meinungsfreiheit – Marius Drozdzewski beim RHI

Weltuntergangspropheten hatten in dieser Woche wieder Konjunktur. Die Weltuntergangsuhr sei so nah an Mitternacht wie nie zuvor. Ukrainekrieg, Klimaveränderung und künstliche Intelligenz seien schuld daran, dass die globale Katastrophe unmittelbar bevorstehe. Dabei zeigen die Daten klar: Die Welt ist nicht perfekt, aber sie wird immer besser. 

ANSICHT

Photo: Alexandru Vicol, from unsplash.com (Unsplash license)

Weltuntergangsuhr steht kurz vor Mitternacht

Weltuntergangspropheten hatten in dieser Woche wieder Konjunktur. Die Weltuntergangsuhr sei so nah an Mitternacht wie nie zuvor. Ukrainekrieg, Klimaveränderung und künstliche Intelligenz seien schuld, so die „Forscherinnen und Forscher“ des „Bulletin of the Atomic Scientists“ in Washington. Die globale Katastrophe stehe unmittelbar bevor. Ntv, Tagesspiegel und die Evangelische Kirche berichteten breit darüber.

Meine persönlichen Forschungsergebnisse ergeben ein völlig anderes Bild.

Die Welt wird immer besser. Die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben, ist seit 1990 stark gesunken – von etwa 2,3 Milliarden auf rund 831 Millionen im Jahr 2025. Diese langjährige Entwicklung ist vor allem das Ergebnis von breit angelegtem wirtschaftlichem Wachstum sowie Handels- und Marktöffnung, insbesondere in Ost- und Südasien. Wirtschaftswachstum, Freihandel und Marktzugang haben Millionen Menschen heraus aus absoluter Armut geführt.

Die globale Lebenserwartung ist seit Jahrzehnten im Aufwärtstrend und hat trotz pandemischer Rückschläge wieder das Niveau von vor COVID-19 erreicht (mit über 20 Jahren Zuwachs seit 1950). Fortschritte in der Medizin und bei der Bekämpfung großer Infektionskrankheiten tragen dazu bei. In den letzten 20 Jahren hat sich der Anteil der Menschen ohne Zugang zu Elektrizität weltweit stark reduziert – von etwa 25 % auf unter 10 % –, was nicht nur Lebensqualität, sondern auch wirtschaftliche Aktivität fördert.  Der weltweite Alphabetisierungsgrad der 15- bis 24-Jährigen liegt heute bei rund 93 % (1990: ca. 83 %). Besonders stark war der Fortschritt in Subsahara-Afrika und Südasien. Der Anteil von Mädchen im Schulbesuch hat sich global nahezu an den von Jungen angeglichen. Die Todesfälle durch klassische Luftschadstoffe sind in vielen Regionen stark gesunken. Verbleites Benzin wurde weltweit praktisch vollständig abgeschafft (2021). In Europa und Nordamerika sind Feinstaub- und Schwefeldioxidwerte seit den 1980ern um 50–80 % gefallen, trotz höherer Wirtschaftsleistung. Mehr als 5 Milliarden Menschen nutzen Smartphones – auch in Entwicklungs- und Schwellenländern. Digitale Finanzdienste (Mobile Money) haben Millionen erstmals Zugang zu Spar- und Zahlungsfunktionen ermöglicht.

Kurz: Die Welt ist nicht perfekt, aber sie wird nachweislich immer besser. Für Weltverbesserer empfehle ich Johan Norbergs „Fortschritt“, ein Motivationsbuch für Weltverbesserer, das in der Edition Prometheus im Finanzbuchverlag erschienen ist.

AUSBLICK

Photo: images.thalia.media

Buchempfehlung: „Wer soll was tun?“ von Frauke Rostalski

„Wer soll was tun?“, fragt Frauke Rostalski in ihrem neuen Buch zum Klimaschutz, das ich mit großem Interesse gelesen habe und sehr empfehlen kann. Die Rechtsprofessorin aus Köln ist Mitglied im Deutschen Ethikrat und stellt der Klimapolitik in Deutschland ein schlechtes Zeugnis aus, auch aus ethischer Sicht. Sie fordert, dass Klimapolitik effizient, aber auch verhältnismäßig sein muss. Weder das Heizungsgesetz (GEG) noch die „Energiewende“ sind das. Sie bringen im besten Fall nichts, wahrscheinlich schadet sie dem globalen Klimaschutz sogar. Sie schreibt dazu: „Zu untauglichen Maßnahmen kann keiner verpflichtet werden.“

Das Pariser Klimaabkommen hat sich als untauglicher Versuch herausgestellt, um die CO2-Emissionen zu reduzieren. Wenn Länder, die rund zwei Drittel der Emissionen repräsentieren, nicht mitmachen, kann es nicht funktionieren. Es hat schlicht keine Wirkung: Die CO2-Emission steigen weltweit. Treibhausgasemissionen sind nach William Nordhaus „public bad“ (im Gegensatz zu „public good“), deren Nachteile alle Menschen betreffen, weil sie sich negativ auf die natürlichen Lebensgrundlagen auswirken. In so einer Situation funktioniert eine isolierte CO2-Emissionsreduzierung nicht, weil es die Kosten nur demjenigen aufbürdet, der CO2-Emissionen reduziert, aber die anderen als Trittbrettfahrer profitieren. Daher schlägt Rostalski einen Klimaclub aller wesentlichen Emittenten vor.

Sie schließt ihr Buch mit einem ernüchternden Fazit: „Die Welt wir keine bessere, nur weil einzelne Nationen oder Individuen meinen, es besser zu machen als die anderen. Sollte für unsere Nachkommen, für unsere Kinder und Enkel, nichts mehr übrig bleiben, was ein gutes Leben ermöglicht, wird keiner von ihnen dankbar dafür sein, dass wir zumindest den moralischen Stab über andere gebrochen haben und in unser eigenes Leben durch Hafermilch, Veggietage, Solarpanels, Wärmepumpen, Bahnfahrten und Elektroautos möglichst viele Elemente eingebaut haben, die der Idee nach auf einer globalen Ebene einen Unterschied hätten machen können, es aber faktisch zu keinem Zeitpunkt getan haben.“ Letztlich plädiert sie im Sinne von Max Weber für mehr Verantwortungsethik und weniger Ideologie.

WELTBEWEGER

Photo: Edgar Beltrán, from commons.wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license)

Papst Leo XIV

Ein zentrales Thema des neuen Papstes Leo XIV. ist die Meinungs- und Gewissensfreiheit. Auf den ersten Blick überrascht das – man traut dem Oberhaupt der Katholischen Kirche ein solches Anliegen kaum zu. Auf den zweiten Blick sollte man das jedoch durchaus. In seiner Neujahrsansprache vor dem Diplomatischen Korps in Rom hat er einen wesentlichen Teil seiner Rede genau darauf verwendet.

„Die Rede- und Meinungsfreiheit wird gerade durch die Gewissheit der Sprache und die Tatsache garantiert, dass jeder Begriff in der Wahrheit wurzelt“, sagte der Papst. Zugleich bedauerte er, dass insbesondere im Westen der Raum für echte Meinungsfreiheit zunehmend eingeschränkt werde. Es entwickle sich eine neue Sprache mit orwellschem Beigeschmack, die im Anspruch, immer inklusiver zu sein, am Ende genau das Gegenteil bewirke: Sie schließe jene aus, die sich den sie tragenden Ideologien nicht unterwerfen.

Das historisch gewachsene Spannungs- und Wettbewerbsverhältnis zwischen Kirche und Staat, ihre unterschiedliche Entwicklung und ihre heutige bipolare Beziehung erklären das entschiedene Eintreten des Papstes auch für die Gewissensfreiheit. Gerade weil Kirche und Staat getrennte Sphären sind, gewinnt die individuelle Freiheit des Gewissens an Bedeutung. Für eine freiheitliche Gesellschaft ist diese Position ausdrücklich zu begrüßen. „Die Verweigerung aus Gewissensgründen ist keine Rebellion, sondern ein Akt der Treue zu sich selbst“, so Papst Leo XIV.

Heimat der Freiheit

Photo: youtube.com

Marius Drozdzewski spricht beim Roman-Herzog -Institut

Im November wurde unser lieber Kollege Marius Drozdzewski mit dem Essay-Preis des Roman-Herzog-Instituts ausgezeichnet. Hier ist jetzt auch seine Ansprache bei der Preisverleihung zu sehen: