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Besteuertes Erspartes – Ludwig Bamberger – Neue Hosts bei Open Axis – Prometheus-Retreat

Die geplante Streichung der Krypto-Haltefrist zeigt: Die Bundesregierung versteht nicht, was eigentlich ein Ertrag ist. Solange wir Sparer dafür bestrafen, dass sie fürs Alter vorsorgen, werden wir der Krise in der Rente nicht begegnen können. 

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Photo: Philip Brewer, from Flickr (CC BY 2.0)

Sparen ist kein Steuertrick

Mit dem Jahressteuergesetz 2026 will die Bundesregierung die einjährige Haltefrist bei Bitcoin und Kryptowerten aus § 23 EStG streichen. Wer Bitcoin länger als ein Jahr hält, soll den Gewinn künftig nicht mehr steuerfrei realisieren können. Verkauft wird das als Schließung eines Schlupflochs, als überfällige Gleichbehandlung. Tatsächlich ist es das Gegenteil. Die Haltefrist ist einer der wenigen Punkte, an denen das deutsche Steuerrecht etwas grundsätzlich Richtiges tut. Man sollte sie nicht abschaffen, sondern verstehen, was hinter ihr steht.

Denn die eigentliche Frage lautet nicht: „Wie besteuern wir Bitcoin schärfer?”, sondern: „Wie besteuert man Kapital überhaupt richtig?“ Die naheliegende Antwort scheint einfach: Kapitalerträge sind Einkommen wie jedes andere, also besteuert man sie wie jedes andere Einkommen. Genau dieses Bild einer umfassenden Einkommensteuer, die alle Zuflüsse gleich behandelt, führt aber in einen Denkfehler, den schon John Stuart Mill vor über 170 Jahren beschrieben hat.

Wer spart, hat sein Einkommen bereits einmal versteuert. Legt er das Ersparte an, wird der Ertrag daraus ein zweites Mal besteuert. Dieser Ertrag ist aber nichts anderes als die Belohnung dafür, dass jemand heute auf Konsum verzichtet, um erst später zu konsumieren. Zwei Menschen mit identischen Lebenseinkommen zahlen so am Ende unterschiedlich viel Steuern – allein deshalb, weil der eine gespart und der andere sofort ausgegeben hat. Das Steuerrecht bestraft den Sparer und belohnt den Konsumenten von heute. Es diskriminiert die Vorsorge und verzerrt die Entscheidung zwischen Gegenwart und Zukunft.

Für ein Land, das über zu wenig Kapitalbildung, zu schwache private Vorsorge und zu hohe Lasten für kommende Generationen klagt, ist das eine erstaunlich selbstschädigende Konstruktion.

Genau hier setzt die konsumorientierte Besteuerung an, wie sie Manfred Rose und der Heidelberger Steuerkreis entwickelt haben. Ihr Leitgedanke ist die intertemporale Neutralität: Das Steuersystem soll die Wahl zwischen heutigem und künftigem Konsum nicht verzerren. Besteuert wird, was entnommen und verbraucht wird, nicht der Akt des Sparens selbst.

Technisch führen dorthin zwei Wege. Die sparbereinigte Einkommensteuer stellt Ersparnisse zunächst frei und besteuert erst die spätere Entnahme. Es ist das Prinzip der nachgelagerten Besteuerung, das wir aus Rürup- und Riester-Renten längst kennen. Die zinsbereinigte Einkommensteuer besteuert das Einkommen sofort, lässt aber die normale, risikolose Verzinsung des eingesetzten Kapitals, einen „Schutzzins”, steuerfrei. Erst was darüber hinausgeht, also der übernormale Ertrag, wird erfasst. Kroatien, aber auch Belgien haben einen solchen zinsbereinigten Ansatz in den 1990er-Jahren tatsächlich erprobt.

Die richtige Bemessungsgrundlage für Kapital ist eben nicht der volle nominale Ertrag, sondern der Ertrag oberhalb der bloßen Zeitpräferenz-Verzinsung und das reale, nicht das nominale Ergebnis. Das ist keine großzügige Ausnahme für Vermögende, sondern die sachlich korrekte Definition dessen, was überhaupt Ertrag ist.

Dazu kommt ein zweiter, gern übersehener Punkt. Nominale Gewinne sind nicht reale Gewinne. Wer einen Vermögenswert über Jahre hält und dann mit „Gewinn” verkauft, hat oft nur die Geldentwertung ausgeglichen. Besteuert der Staat diesen Nominalzuwachs, besteuert er in Wahrheit die Inflation, also Scheingewinne, denen kein realer Zuwachs an Kaufkraft gegenübersteht. Je länger die Haltedauer, desto größer der inflationäre Anteil und desto konfiskatorischer die Wirkung. Ausgerechnet den langfristig orientierten Anleger trifft es am härtesten.

Vor diesem Hintergrund erscheint die einjährige Haltefrist in völlig anderem Licht. Was Rose planvoll und systematisch anstrebt, leistet die Haltefrist grob und pragmatisch: Sie stellt den langfristigen privaten Vermögensaufbau von der Besteuerung des normalen Kapitalertrags und der inflationären Scheingewinne frei. Sie ist unpräzise, sie ist ein grober Schnitt – aber sie zeigt in die richtige Richtung. Sinnvoll wäre, sie auch auf Aktien und andere Kapitalanlagen auszuweiten.

Weltbeweger

Photo: Julius Braatz, from Wikimedia Commons (Creative Commons)

Ludwig Bamberger

An diesem Mittwoch jährt sich der Geburtstag von Ludwig Bamberger (1823–1899). Vielen ist er nicht mehr präsent, aber es lohnt, sich an ihn zu erinnern. Benedikt Koehler hat eine sehr lesenswerte Biographie und auch im Freiheitslexikon von Prometheus über ihn geschrieben. Ludwig Bamberger war Revolutionär von 1848, Bankier und liberaler Vordenker des Kaiserreichs; vor allem aber war er geradlinig. Zu Beginn seiner politischen Karriere war er Unterstützer Bismarcks, unterstützte die Gründung der Reichsbank und war Mitbegründer der Deutschen Bank. Doch als Bismarck Ende der 1870er Jahre vom Freihandel zum Protektionismus umschwenkte, machte Bamberger den Wechsel nicht mit. Lieber sollte sich die liberale Fraktion spalten und seine eigene Laufbahn im Abseits enden, als dass er seine Überzeugung dem Machterhalt opferte. Freihandel und Liberalismus waren ihm deckungsgleiche Begriffe.

Das wirkt heute frappierend aktuell. Auch jetzt werden Protektionismus durch Zölle, „Schutz der heimischen Wirtschaft”, Abschottung wieder als notwendig verkauft. Bambergers Antwort war schon damals klar: Wohlstand entsteht durch offene Märkte und Wettbewerb, nicht durch Grenzen und Subventionen. Wer den Freihandel opfert, opfert am Ende auch die Freiheit. Sein Credo war: „Wer sein Glück probieren will, soll dahin gehen, wo große Konkurrenz ist.”  Wer übrigens mal sein Grab besuchen will, das er sich mit seinem Mitstreiter Eduard Lasker teilt: Es befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof auf der Schönhauser Allee, eine Viertelstunde zu Fuß von der Heimat der Freiheit entfernt.

Mitstreiter

Photo: Youtube

Neue Hosts bei Open Axis

Das junge YouTube-Format Open Axis kann zwei neue Hosts begrüßen. Im ersten Video von Hugo spielt die Meinungsfreiheit eine zentrale Rolle. Lukas beschäftigt sich mit dem frühen Ausscheiden der Nationalmannschaft bei der Fußball-WM, und welche Verbindung dies mit der fast schon depressiven Stimmung in unserem Land hat. Schaut einfach mal rein, es lohnt sich!

Heimat der Freiheit

Photo: Prometheus - Heimat der Freiheit

Das Prometheus-Team im Retreat

Drei Tage Klausur mit dem Prometheus-Team im „PrometHaus“ in Bünde – von Montag bis Mittwoch haben wir intensiv gearbeitet, diskutiert und geplant. Solche Retreats sind Gold wert: Sie schaffen Raum für die großen Linien jenseits des Tagesgeschäfts. Danke an alle, die dabei waren. Mit frischen Ideen und viel Energie geht es jetzt weiter.