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Liberale Hoffnung – Vaterland – Rose Wilder Lane – Frank Schäfflers Sonntagsblock

Liberalismus ist, das spüren wir alle, gerade nicht cool. Wer sich in liberalen Kreisen umhört, hört vor allem Jammern. Dabei entscheidet über politischen Wandel nicht nur, was richtig ist, sondern auch, was sich gut anfühlt. Beim Open Summit war sie plötzlich wieder da: die Hoffnung auf eine freiheitliche Zukunft. Diese Stimmung müssen wir beibehalten und weitertragen.

ANSICHT

Teilnehmende beim Open Summit 2026
Photo from Prometheus

Liberaler Vibe-Shift: Hoffnung statt Jammern

Der Vibe-Shift hat auch Deutschland erfasst. Das könnte man nach den letzten drei Landtagswahlen sagen; ähnlich wie man den Stimmungswandel in den USA beschrieben hat, als das Land vom linksliberalen Leuchtturm zur MAGA-Bastion wurde. Natürlich wurde nicht das ganze Land zur MAGA-Fraktion und auch in Deutschland wählen die meisten Menschen weder AfD noch Linke. Und doch greift die Idee des Vibe-Shifts etwas auf, das andere Ansätze verpassen: Politischer Wandel liegt nicht an materiellen Problemen oder Ideen allein.

Zentral ist auch, was sich cool anfühlt. Wohin die Avantgarde driftet, was die statushungrigen Jungen anzieht, worüber die Intellektuellen diskutieren wollen. Egal, wer es in Deutschland gerade ist, liberal ist sicherlich nicht cool. Der eigene Vibe ist auch eine Gefühlsfrage, denn wer die letzten Monate in liberalen Kreisen umhergetingelt ist, der weiß, dass hier vor allem gejammert, gemeckert und verzweifelt wird. Das fühlt sich nicht gut an; da möchte man nicht dazugehören. Einen Vibe-Shift für die eigene Sache kann man so nicht erreichen. Will man die deutsche Freiheitsbewegung wiederbeleben, braucht es Gefühl, Ästhetik, Hoffnung.

Doch dann, am letzten Wochenende, war er doch wieder da: dieser Optimismus, das Gefühl, zwischen vielen anderen umherzulaufen, die etwas verändern wollen und daran glauben, dass sie es können. Und so waren, wie schon in den letzten Jahren, die Teilnehmenden des Open Summits mein persönliches Highlight (das Programm war natürlich auch richtig gut!). Ich frage mich, wie man dieses Gefühl – diese Agency, die Hoffnung auf eine freiheitliche Zukunft, wenn wir nur etwas für sie tun – vom Open Summit aus weitertragen kann. Manches lässt sich nicht mal eben so wiederholen.

Die Appelle der fünf Freiheitskämpferinnen und Freiheitskämpfer, die am Freitag schon beim College Freedom Forum ihre eindrücklichen Lebensgeschichten erzählt haben, machen natürlich Eindruck. Die Opfer, die diese fünf persönlich für die Sache der Freiheit gebracht haben, geben jedem Aufruf, selbst an die Sache zu glauben und sich einzusetzen, gleich vielfaches Gewicht. Und wer erst am Samstag dazugestoßen ist, für den oder die mag der Toast auf die Freiheit den Ausschlag gegeben haben. Noch oft habe ich am Abend gehört, dass Tom Palmer etwas in meinen Gegenübern bewegt hatte, mit seinen Schilderungen aus Kiew, seinen Ideen von der moralischen Imagination des Liberalismus und seiner eigenen Geschichte in der Freiheitsbewegung. Ich konnte sehen, dass hier ein neues Feuer entfacht worden war. Das alles macht mir also Hoffnung.

Für unsere Bewegung heißt das: Wir müssen den Modus des Jammerns überwinden. So unfair die anderen sind, so gemein, dass ihre Fehler den Wählern egal sind, das hilft uns nicht. Damit wir den Vibe shiften, die Stimmung drehen können, brauchen wir andere Gefühle. Und auch wenn manche es nicht glauben: Diese Gefühle wecken kann die Freiheit. Das brauchen wir dringend, um dem aufziehenden Dunkel der Autoritären zu widerstehen.

AUSBLICK

Filmplakat: Vaterland von Paweł Pawlikowski
Photo from Neue Visionen Filmverleih

Filmempfehlung: „Vaterland“ von Paweł Pawlikowski

Am Sonntag war ich im Kino, in Vaterland, dem neuen Film von Paweł Pawlikowski über Thomas Manns erste Deutschlandreise nach dem Krieg. 1949 fährt Mann, im Film mit seiner Tochter Erika, erst nach Frankfurt und dann nach Weimar, um an beiden Orten den Goethe-Preis entgegenzunehmen. Beide Deutschlands wollen den großen deutschen Weltautor für sich reklamieren. Über die Kulturfrage, die der Film damit stellt, haben Ijoma Mangold und Nina Pauer in der sogenannten Gegenwart Interessantes besprochen: ob das Deutschland Goethes, für das Mann da spricht, je mehr war als eine Idee in seinem Kopf, und ob wir eine Selbstverständlichkeit der Kultur über die letzten Jahrzehnte verloren haben. Mir ist noch etwas anderes hängen geblieben. In der Ostzone ist für die Ankunft der Manns alles organisiert. Die Menge steht, wo sie stehen soll, sie singt und lacht und winkt. Das sieht nett aus und doch kann man erahnen, dass hier die harte Hand der Machthaber die Figuren arrangiert. Im Westen organisiert dagegen niemand die Menge. So kommt deren Stimmung ungefiltert durch und die ist 1949 nicht freundlich gegenüber Thomas Mann. Beides zeigt der Film in einem schönen Schwarzweiß, ohne zu kommentieren. Dazu Bach und Bilder aus der Zeit; es lohnt sich.

WELTBEWEGER

Rose Wilder Lane, 1939
Photo: Harris & Ewing, from Wikimedia (public domain)

Rose Wilder Lane

Die Fernsehserie „Unsere kleine Farm“ war ein großer Hit, auch in Deutschland kannte sie fast jeder. Dass Rose Wilder Lane, die Tochter der Autorin, an den Büchern dahinter mitgeschrieben hat, wissen die wenigsten. Wie viel sie davon geschrieben hat, darüber streiten die Biographen. Unstrittig ist ihr eigener Platz in der Geschichte der freiheitlichen Bewegung: Mit Isabel Paterson und Ayn Rand zählt sie zu den drei Gründungsmüttern der amerikanischen Libertären.

Dabei war sie 1919 im Herzen noch Kommunistin. Zu der Zeit wollte sie in die Partei eintreten, doch eine Grippe kam dazwischen. Als Zeitungsreporterin in San Francisco schrieb sie Bücher über Henry Ford und Herbert Hoover, danach reiste sie mit dem Roten Kreuz durch Europa und mit Near East Relief durch den Nahen Osten. In der Sowjetunion erklärte ihr ein Bauer, warum der Plan aus Moskau scheitern werde: Dort säßen nur Menschen, und hundert Köpfe zusammen ergäben noch keinen großen Kopf. Der Satz traf sie, so erzählt Lane es selbst. 1936 erschien in der Saturday Evening Post ihr „Credo“, es beginnt mit dem Satz „Sixteen years ago I was a Communist.“ Sieben Jahre später folgte ihr Buch The Discovery of Freedom.

Von 1942 bis 1945 schrieb Rose Wilder Lane jede Woche für den Pittsburgh Courier, die größte schwarze Zeitung der USA. Ihr Individualismus richtete sich dort gegen jede Einteilung nach Rasse und Klasse, alle Amerikaner sollten ihrer „Rasse“ abschwören. Auf eine fast unnachahmliche Weise lebte Lane all ihre Prinzipien. Aus Protest gegen die Einkommensteuer schrieb sie keine Romane mehr, mit denen sie vorher viel Geld verdient hatte. Während des Krieges kam sie stattdessen mit 60 Dollar im Monat und ihrem eigenen Garten aus. George Schuyler, ihr Kollege beim Courier, schrieb dazu, viele würden mit ihr sympathisieren, wenige ihr folgen.

1945 endete ihre Kolumne beim Courier, später lebte sie von den Tantiemen der Bücher ihrer Mutter. Mit 78 reiste Lane noch als Korrespondentin nach Vietnam, 1968 starb sie, kurz bevor sie zu einer dreijährigen Weltreise aufbrechen wollte. Unter den jungen Libertären, die sie gefördert hatte, war Roger MacBride. Er erbte ihren Nachlass und damit die Rechte an den Büchern ihrer Mutter. 1974 brachte er als Mitschöpfer und Koproduzent „Unsere kleine Farm“ ins Fernsehen, zwei Jahre später trat er als Präsidentschaftskandidat der Libertarian Party an.

HEIMAT DER FREIHEIT

Sonntagsblock von Frank Schäffler auf Substack
Photo from Prometheus

Frank Schäfflers neuer Sonntagsblock

Bitcoin, gutes Geld und die Freiheit, selbst zu entscheiden: Darüber schreibt Frank Schäffler künftig im Sonntagsblock auf Substack. Jeden Sonntag um 8 Uhr gibt es einen neuen Gedanken zum Lesen und Weiterdiskutieren.

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