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After Woke – Der Sieg der Identitätspolitik – Charlie Kirk – Works in Progress – Open Summit

Die Linke ist wieder da. Nicht nur in den Umfragen zur Bundestagswahl, bei denen die gleichnamige Partei mittlerweile den phlegmatischen Grünen dicht auf den Fersen ist, sondern auch medial: Mit ihrer Vorsitzenden Heidi Reichinnek, die sich gern gibt wie eine etwas zu enthusiastische Jungpionierin, hat sie dafür das ideale Aushängeschild.

ANSICHT

After Woke – Der Sieg der Identitätspolitik

Die Linke ist wieder da. Nicht nur in den Umfragen zur Bundestagswahl, bei denen die gleichnamige Partei mittlerweile den phlegmatischen Grünen dicht auf den Fersen ist, sondern auch medial: Mit ihrer Vorsitzenden Heidi Reichinnek, die sich gern gibt wie eine etwas zu enthusiastische Jungpionierin, hat sie dafür das ideale Aushängeschild. Auf TikTok rasiert sie regelmäßig mit emotionalen Jump-Cuts die hilflose Union und ihren Kanzler und erreicht damit Millionen. Und Miosga und Co. bereiten dieser neuen Linken bereitwillig die Bühne, wenn sie ganz ohne den üblichen Politsprech über die ach so tolle Kinderbetreuung im DDR-Unrechtsstaat schwadroniert und von der Enteignung der „gierigen“ Milliardäre träumt.

Aber Moment mal: Sollte mit dem vermeintlichen Ende von „woke“ nicht auch die federführende politische Linke erstmal mit Selbstfindung beschäftigt sein? Wie kann es sein, dass immer mehr Deutsche ausgerechnet in der gefacelifteten SED ein Bollwerk gegen drohenden Autoritarismus sehen?

Meine steile These: Woke ist alles andere als tot – und Reichinnek und ihre Identitätsbrigaden sind woker als je zuvor. Das fällt uns nur nicht auf, weil die woke Bewegung der 2010er-Jahre vom Besen, den sie rief, hinweggefegt wurde. Von dem hehren Ziel, auf strukturelle Benachteiligung (allzu häufig durch staatliche Institutionen) aufmerksam zu machen, blieb nur die konfrontative Identitätspolitik. Aus „wir für die“ wurde ganz schnell „wir gegen die“. Der Fokus auf unveränderliche Identitäten wie Geschlecht, Herkunft oder Hautfarbe hat die politische Auseinandersetzung zurückkatapultiert in die von Hayek beschriebene Stammesgesellschaft. Nur sagt eben jener voraus, dass unsere kosmopolitische offene Gesellschaft zerfällt, sobald wir den Sinn für abstrakte Prinzipien wie Marktwirtschaft und Rechtsstaat verlieren.

Woke hat die Menschen wieder für das sensibilisiert, was sie ganz offensichtlich trennt. Das war sicherlich nicht beabsichtigt. Deshalb sollte man vorsichtig unterscheiden zwischen den ursprünglichen Motiven der woken Bewegung und der gegenwärtigen Wokeness. Aber es ist passiert, und für die Reichinneks und Chrupallas dieser Welt hätte gar nichts Besseres passieren können. Ja, „rechts-woke“ ist mehr als nur ein Meme!    Nach dem kurzen „Ende der Geschichte“ der 90er- und 00er-Jahre hat Woke Rechts wie Links massenhaft neue Identitäten beschert, die sich vortrefflich eignen für Cancel Culture, Opferrollen und Agitation. Als verbliebener Liberaler fühlt man sich zwischen diesen ganzen Stammeskriegern wie ein Einhorn auf einem Schlachtfeld voller Orks. Aber genau deshalb kommt uns eine zentrale Rolle zu – wenn wir sie denn annehmen. Ich meine, wir müssen dem allzu nachvollziehbaren Reflex widerstehen, uns bloß aus Abscheu wahlweise vor den Irren rechts oder links ins jeweils andere Lager zu werfen. Mit den anderen Wölfen mitzuheulen – das wäre geil, im wahrsten Sinne. Aber es würde uns nur zu nützlichen Idioten machen, die früher oder später aus dem Weg geräumt werden. Stattdessen sollten wir uns gerade jetzt auf unsere radikal-antiautoritären Wurzeln besinnen. Keine andere Denkrichtung weist so klar darauf hin, wie das Establishment den Staat seit jeher zum Instrument von Unterdrückung und Ausbeutung macht. Wir können der nächsten Generation ein Angebot machen, das ihrem Drang nach Gerechtigkeit und Veränderung wirklich entspricht. Ich glaube, nur so können wir die offene Gesellschaft retten.

AUSBLICK

Podcast-Empfehlung: Gavin Newsom im Gespräch mit Charlie Kirk

Die Ermordung Charlie Kirks vor 10 Tagen markiert einen tragischen Tiefpunkt in der wichtigsten offenen Gesellschaft der Welt, den Vereinigten Staaten. Die Bigotterie gerade vieler deutscher Kommentatoren, die selbst angesichts des sinnlosen Todes eines 31-jährigen (!) Familienvaters mit einer gewissen Genugtuung kokettierten, ist daher umso abartiger. Wenn man in Deutschland Kirk kennt, dann vermutlich aus kurzen YouTube-Ausschnitten, in denen er von einer (über die Jahre stetig wachsenden) Menschenmenge umringt in einem Zelt sitzt und mit linken Studenten diskutiert. Die veröffentlichten Stellen sollen provozieren und können gerade für in der deutschen Debatte sozialisierte Menschen befremdlich wirken. Doch man sollte sich zumindest die Mühe machen, hinter die Shorts zu blicken, wenn man schon über den Tod eines anderen Menschen urteilen will. Dafür empfehle ich den Podcast mit dem Demokraten (!) und kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom, in dem sich Kirk und Newsom trotz radikal unterschiedlicher Positionen respektvoll und mit Neugier begegnen.

MITSTREITER

Works in Progress

Im Moment verschwinden eher Magazine, als dass neue entstehen. Umso bemerkenswerter ist die Arbeit des Teams rund um Works in Progress, das regelmäßig herausragende Artikel veröffentlicht; von nun an sogar in Print für 100 USD im Jahr Abo. Aktuell besonders lesenswert finde ich den Essay Compensating Compassion, der zeigt, wie der Mangel an Organspenden durch intelligente Anreizsysteme vermindert werden kann. Die Founding Editors Sam Bowman und Ben Southwood waren übrigens beide bereits auf dem Open Summit zu Gast, unserem Gipfeltreffen der Freiheit …

Heimat der Freiheit

Open Summit

… das bereits in 8 Tagen in Berlin zum vierten Mal stattfindet. Mit dem wohl besten Programm bisher, das garantiert überrascht, vermutlich provoziert und wie kein anderes freiheitliches Event inspiriert.