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Solidarische Zukunftsbilder – Frei Heraus – Petrus Johannis Olivi – Virescit

1891 nahm Eugen Richter das Programm der damaligen Sozialdemokraten beim Wort und schrieb auf, was aus der Umsetzung folgen würde: eine Dystopie, die in großen Teilen später in der Sowjetunion und der DDR Realität wurde. Zeit, das Experiment mit den heutigen Berliner Wahlprogrammen von Linken, SPD und Grünen zu wiederholen.

ANSICHT

Photo from Prometheus

Solidarische Zukunftsbilder

Was passiert, wenn man Parteiprogramme ernst nimmt und zu Ende denkt? Eugen Richter, einer der großen Liberalen des späten 19. Jahrhunderts, hat das 1891 ausprobiert. Er schrieb darüber einen Roman: „Sozialdemokratische Zukunftsbilder – frei nach Bebel“.

Erzähler ist ein Berliner Buchbinder, ein treuer Parteisoldat. Er freut sich über den Sieg der Sozialisten und hofft, dass es ihm und seiner Familie nun besser geht. Die neue Regierung setzt das Programm von Bebel und Liebknecht um. Privateigentum wird abgeschafft, Arbeit und Berufe werden zugeteilt, Wohnungen verlost. Alle bekommen denselben Lohn. Weil Fachkräfte auswandern, werden die Grenzen geschlossen und Flucht bestraft. Die Zeitungen gehören dem Staat, eine freie Presse gibt es nicht mehr. Am Ende hat der Buchbinder seine Familie verloren.

Richters Roman ist eine Dystopie. Aber vieles darin ist später in der Sowjetunion und der DDR eingetreten.

Das Experiment lässt sich heute wiederholen. In den Berliner Wahlprogrammen von Linken, SPD und Grünen stehen die Vier-Tage-Woche bei vollem Lohn, ein Mietendeckel, die Vergesellschaftung der großen Wohnungskonzerne und eine Klimaküche in Schulen und Kitas.

Nicht jede dieser Parteien fordert alles davon. Aber wenn sie gemeinsam regieren, setzt jede einen Teil ihrer Forderungen durch. Was dabei herauskommt, ist mehr als das Programm einer einzelnen Partei.

Die Linksjugend Berlin geht noch weiter. Vor der Wahl 2026 beschloss sie, dass Polizei, Bundeswehr und Verfassungsschutz in einer sozialistischen Gesellschaft keinen Platz haben. Das Geld soll stattdessen in Prävention und soziale Hilfe fließen. Auf derselben Landesvollversammlung forderte sie, die Wohnungsunternehmen ohne Entschädigung zu enteignen und den Nahverkehr kostenlos zu machen. Das ist die Jugendorganisation. Aber aus ihr kommen die Abgeordneten von morgen.

Über jede dieser Forderungen kann man einzeln streiten. Mich hat interessiert, was passiert, wenn man sie alle zusammen umsetzt. Deshalb habe ich Richters Buch in das heutige Berlin übertragen. Meine „Solidarischen Zukunftsbilder – frei nach Eugen Richter“ erscheint im Herbst in der Edition Prometheus.

WELTBEWEGER

Photo from Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Petrus Johannis Olivi

Warum kostet ein Kilo Kaffee mehr als ein Kilo Mehl? Nicht wegen der Arbeitsstunden, die darin stecken. Der Preis hängt davon ab, wie sehr wir etwas wollen und wie viel davon da ist. Aufgeschrieben hat das ein Franziskanermönch im 13. Jahrhundert.

Petrus Johannis Olivi (1248-1298) wurde im Languedoc geboren und lehrte in Florenz, Montpellier und Narbonne. Um 1295 fragte er, woher der Wert einer Ware kommt. Seine Antwort lautete: aus ihrem Nutzen, ihrer Knappheit und daraus, wie sehr die Menschen sie begehren. Den gerechten Preis legt deshalb keine Obrigkeit fest. Er bildet sich auf dem Markt, wenn Käufer und Verkäufer sich einigen. Olivi verteidigte auch die Kaufleute. Für ihre Arbeit und ihr Risiko dürfen sie einen Gewinn erzielen.

Seiner Kirche war er unbequem. Nach seinem Tod 1298 wurde sein Grab zerstört und eines seiner Werke verurteilt. Seine Gedanken überlebten trotzdem. Bernhardin von Siena übernahm sie 150 Jahre später fast wörtlich, ohne ihn zu nennen. Über die spanischen Spätscholastiker gelangten sie bis zu Carl Menger und der Österreichischen Schule.

Karl Marx und selbst Adam Smith suchten den Wert einer Sache in der Arbeit. Beide irrten. Olivi wusste es bereits 500 Jahre früher besser. Den Wert bestimmt der Mensch, der etwas haben will. Deshalb kann niemand von oben festlegen, was etwas wert ist. Das gilt bis heute.

MITSTREITER

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Zu Gast bei „Frei heraus“

Die Denkfabrik R21 hat mich in ihren Podcast „Frei heraus“ eingeladen. In Folge 26 spreche ich für 35 Minuten über mein Buch Generation Debts und die Frage, warum die Staatsverschuldung gerade junge Menschen angeht.

HEIMAT DER FREIHEIT

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Virescit – die intellektuelle Wiederbelebung des Liberalismus

Am vergangenen Wochenende durften wir von Prometheus ein absolutes Ausnahme-Event durchführen: die erste Ausgabe unseres Programms “Virescit”. Fünf junge Wissenschaftler kamen im Alpenkloster Ettal zusammen, um, unterstützt von einer Gruppe von elf erfahrenen Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen, äußerst intensiv an Essays zu arbeiten, die neue Perspektiven für den Liberalismus in unserer Zeit eröffnen sollen. Im Laufe der nächsten Monate werden diese Essays erscheinen und hoffentlich neue Wege aufzeigen, wie die Idee der Freiheit wieder Begeisterung hervorrufen kann.

Ein riesiges Dankeschön geht an unsere fünf Fellows Prof. Dr. Billy Christmas (West Virginia University), Prof. Dr. Johanna Jauernig (New College of Florida), Prof. Dr. Julian F. Müller (Universität Graz), Dr. Diana Nasulea (Universität Bukarest) und Prof. Dr. Diana W. Thomas (Creighton University), die sich bereit erklärt haben, in der allerersten Runde dieses Projektes mitzuarbeiten. Besonderer Dank auch an ihre fünf Facilitator Vincent Czyrnik (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), Marius Drozdzewski (Prometheus), Harrison Griffiths (EPICENTER), Max Molden (Walter Eucken Institut) und Alexander Schwitteck (Zentrum Liberale Moderne), die ihnen unermüdlich zur Seite standen.

Von Herzen kommenden Dank auch dem Brain Trust, dessen Mitglieder mit größter Sorgfalt, viel Empathie und Zuneigung selbstlos den Fellows geholfen haben: Dr. Erwin Dekker (Mercatus Center, George Mason University), Matthew Feeney (Re:State), Alexander Hammond (Cato Institute), Prof. Dr. Mark Pennington (King’s College London), Prof. Dr. Ingo Pies (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), Juan Pina (Fundalib), Aaron Ross Powell (Institute for Humane Studies), Prof. Dr. Scott Scheall (University of Austin), Prof. Dr. Eric Schliesser (Universiteit van Amsterdam), PD Dr. Dagmar Schulze Heuling (Helmut-Schmidt-Universität Hamburg) und Prof. Dr. Charlotta Stern (Universität Stockholm). Und schließlich herzlichsten Dank unserem Kollegen Tom Gäbelein für die monatelange Vorbereitung und die großartige Durchführung, sowie unserem Kollegen Florian Hartjen dafür, dass er dem ganzen Vorhaben Struktur gegeben hat mit seiner Idee, den Co-Creation-Prozess aus dem Think-Tank-Universum in die Galaxie der Ideen einzuführen.

Dieses Wochenende war absolut unvergesslich! Wenn es uns gelingt, diesen Geist der Hoffnung und des freundschaftlichen Miteinanders weiterzutragen, dann wird uns auch die Dunkelheit der politischen Gegenwart nichts anhaben können. Und dann wird unser Motto, das wir der 1500 Jahre alten Benediktinerabtei Montecassino entlehnt haben, auch für den Liberalismus wahr: Succisa virescit – was niedergeschlagen wurde, wird wieder ergrünen.